Category Archives: Gebaudetypologie Bayern

Modifikation der Standardannahmen

Die durch WarmeschutzmaBnahmen bei Altbauten erzielbare Energieeinsparung wird in der Regel mit Hilfe von stationaren Energiebilanzverfahren berechnet. Dabei machen Energiebe — rater vielfach die Erfahrung, dass die eingesetzten Berechnungsverfahren fur den Ausgangs — zustand Energiebedarfswerte liefern, die erheblich uber den gemessenen Verbrauchswerten liegen. Dies trifft insbesondere fur Einfamilienhauser mit schlechtem Warmeschutz zu. Entsprechend optimistisch erscheint die berechnete Energieeinsparung. Die moglichen Ursa — chen fur die Uberschatzung des Heizenergiebedarfs sind vielfaltig (Nachtabsenkung, Teilbe- heizung, geringerer Luftwechsel, hohere innere Warmequellen, gunstigere Klimabedingun — gen, U-Werte, …).

Im Rahmen der Energieberatung erfolgt meist eine Anpassung der berechneten Bedarfswerte an die gemessenen Verbrauchswerte durch Absenken der Raum-Solltemperatur gegenuber dem Standardwert von 20 °C, z. T. auch durch Absenkung des rechnerischen Luftwechsels. Durch den damit erzielbaren Abgleich zwischen Bedarfs — und Verbrauchswert kann der Effekt einer energiesparenden MaBnahme realistischer abgeschatzt werden. Die Erfahrung zeigt zudem, dass energetisch hochwertige Gebaude eine gegenuber energetisch schlechten Gebauden eine hohere mittlere Raumtemperatur aufweisen, in Passivhausern deutlich uber 20 °C. In der Praxis wird somit der energiesparende Effekt der warmedammenden MaBnahmen z. T. durch die hohere mittlere Raumtemperatur wieder ausgeglichen.

Um die Effekte energiesparender MaBnahmen nicht zu uberschatzen, wurden daher die Eingangsdaten der Energiebilanzberechnungen in plausiblen Grenzen so variiert, dass die Ergebnisse der Energiebilanzberechnungen mit den Ergebnissen des aktuellen Heizspiegels Munchen [Heizspiegel; 2005] korrespondieren. Folgende Anderungen gegenuber den Stan — dard-Rahmenbedingungen wurden vorgenommen:

• Raumsolltemperatur

Die Raumsolltemperatur wurde fur alle Einfamilienhauser im unsanierten Zustand vom Standardwert 20 °C auf 18 °C und bei den Reihenendhausern von 20 °C auf 19 °C re — duziert. Fur das Reihenmittelhaus wird mit 20 °C Raumsolltemperatur gerechnet. Die — ser Ansatz ist praxisgerecht [Loga; 1999]. Im sanierten Zustand wird fur alle Gebaude generell mit einer Raumsolltemperatur von 20 °C gerechnet.

• Warmebruckenverlustkoeffizient

Ein Warmebruckenverlustkoeffizient wurde fur alle Gebaude im unsanierten Zustand nicht berucksichtigt. Durch den AuBenbezug der Gebaudehullflachen ist dieser Ansatz gerechtfertigt, tatsachlich sind Warmebruckeneffekte in energetisch sehr schlechten Konstruktionen rechnerisch in erster Naherung — bei AuBenmaBen — zu vernachlassigen, sofern nur wenige auskragende (Beton-)Bauteile vorhanden sind. Im sanierten Zustand wird dagegen mit einem pauschalen Warmebruckenverlustkoeffizienten von 0,05 W/(m2Hullflachea) gerechnet.

• U-Werte

Die U-Werte wurden auf Basis der Gebaudetypologie Deutschland [IWU; 2003] ent- sprechend der Baualtersklasse und dem Gebaudetyp festgelegt. Nachtraglich durchge — fuhrte energetische Sanierungen wurden nicht berucksichtigt, die Datensatze bilden die Gebaude im Zustand der Errichtung ab. In Ausnahmen wurden einzelne U — Werte von Bauteilen im unsanierten Zustand abweichend von den Vorgaben der Ge­baudetypologie Deutschland angesetzt. Dabei wurden in der Regel niedrigere U-Werte berucksichtigt. Die Modifikationen sind in Tabelle 3.2 dokumentiert.

Modifizierte U-Werte gegenuber den Angaben der Gebaudetypologie Deutschland

Gebaude

Bauteil

Gebaudetypologie Deutschland

Rechenwert Studie

RH 64

AuBenwand

1,44 W/(m2K)

1,21 W/(m2K)

RH 75

AuBenwand

0,80 W/(m2K)

1,07 W/(m2K)

MFH 52

AuBenwand

1,44 W/(m2K)

1,21 W/(m2K)

MFH 52

Kellerdecke

1,65 W/(m2K)

0,97 W/(m2K)

MFH 67

o. Geschossdecke

2,30 W/(m2K)

1,41 W/(m2K)

Tabelle 3.2

• Transmissionswarmeverluste

Die Korrekturfaktoren zum unbeheizten Dachraum sowie zum unbeheizten Keller sind gegenuber der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 0,8 auf 1,0 (Dach) sowie von 0,6 auf 0,5 (Keller) verandert.

• Luftwechsel

Der Luftwechsel im unsanierten Zustand wurde auf 0,6 h-1 festgelegt. Nach DIN V 4108 — 6 entspricht dieser Luftwechsel der Standard-Luftwechselrate bei luftdichtheits — gepruften Gebauden (nL50 < 3,0 h-1) im Neubau. Aktuelle Forschungsprojekte zum Luftwechsel in Bestandsgebauden kommen zu ahnlichen bzw. wesentlich niedrigeren Werten. Nach Durchfuhrung der kompletten Sanierung wurde in den Berechnungen der Luftwechsel auf 0,5 h-1 reduziert. Damit wird die gegenuber dem IST-Zustand deutlich dichtere Gebaudehulle berucksichtigt.

• Innere Warmequellen

Die Leistung innerer Warmequellen ist von 5 W/m2 Gebaudenutzflache nach EnEV auf 2,5 W/m2 Wohnflache (EFH/RH) bzw. 3,2 W/m2 Wohnflache (MFH) reduziert.

• Energiebezugsflache

Die in der EnEV verwendete „Gebaudenutzflache“ ist eine kunstliche GroBe. Sie liegt zwischen 10 % und 40 % uber der bei Wohngebauden allgemein gebrauchlichen Wohnflache und spiegelt daher unrealistische spezifische Kennwerte vor. Durch die optimistischen Ansatze bei der energetischen Bilanzierung und die zu groBe „Gebau — denutzflache“ AN liegen die nach EnEV berechneten Energiekennwerte um ca. 10 bis 50 % niedriger als gemessene auf die reale Flache bezogene Verbrauchskennwerte. [Loga; 2001] Daher werden alle Berechnungsergebnisse in dieser Studie auf die Wohn­flache bezogen. Die Ergebnisse werden damit z. B. vergleichbar mit den Ergebnissen der Heizspiegel, die sich ebenfalls auf die Wohnflache beziehen.

Volkswirtschaftliche Kriterien

Unterwirft man verschiedene Investitionsalternativen volkswirtschaftlichen Kriterien, so mussen die Bewertungen nicht immer zu den gleichen Ergebnissen wie die betriebswirtschaft — liche Untersuchung kommen. Z. B. ist bei betriebswirtschaftlicher Kostengleichheit zwischen einer Variante mit hohen Energiekosten (z. B. durch Bezug von Heizol) und einer Variante mit hohen Kapitalkosten (z. B. durch Dammung der AuBenwand) bei gleicher Energiedienst- leistung volkswirtschaftlich die letzte Alternative sehr viel wunschenswerter, da die entste — henden Kosten in diesem Fall vollstandig der nationalen Wirtschaft zu Gute kommen, wah — rend sie im ersten Fall groBtenteils fur importierte Rohstoffe ausgegeben werden mussen. Gleichzeitig werden durch die Energieeinsparung die Kohlendioxid-Emissionen reduziert, so dass okologische und volkswirtschaftliche Aspekte durchaus im Einklang miteinander stehen. Ein zusatzlicher positiver Effekt auf den Arbeitsmarkt entsteht daruber hinaus ebenfalls.

Fazit

Die Ausfuhrungen belegen, dass betriebswirtschaftliche Kostenrechnungen nur ein Kriterium bei der Entscheidung fur eine (energetische) Modernisierung darstellen kann, weitere nicht genauer finanziell quantifizierbar Entscheidungsfaktoren sowie volkswirtschaftliche und Okologische Kriterien mussen letztlich ebenfalls berucksichtigt werden.

Kurzfassung

Die Bayerische Staatsregierung und der Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN Bayern) lassen partnerschaftlich als gemeinsamen ersten Schritt zur Einleitung entsprechender MaBnahmen die durch Warmedammung des Altbaubestandes erschlieBbaren Energie- und CO2- Einsparpotenziale in Bayern und die damit verbundenen Kosten untersuchen. (vgl. gemein — same Erklarung vom 21.10.2004). Das Institut fur Energiewirtschaft der TU Munchen (IfE) wurde zu einer entsprechenden Potenzialstudie beauftragt.

IWU-Mafinahmenpakete zur energetischen Gebaudesanierung, Hausdatenblatter

Als Erganzung zu diesem Auftrag wurden durch das Institut Wohnen und Umwelt, Darm­stadt, (IWU) okonomisch vorteilhafte MaBnahmenpakete (baulicher Warmeschutz & Hei- zungsmodernisierung & Solaranlage) mit hohem Energie — und CO2-Einsparpotenzial fur einzelne Baualtersklassen und Gebaudetypen entwickelt. Die Ergebnisse wurden fur die zielgruppenorientierte Ansprache von Haus — und Wohnungsbesitzern in Hausdatenblattern zusammengefasst.

Validierungsrechnungen — Abgleich der Daten mit Felduntersuchungen

Die Ergebnisse der Validierungsrechnungen sind in Tabelle 3.3 zusammengestellt. Dargestellt ist fur die einzelnen Gebaudetypen der berechnete Endenergiebedarf fur den Standort Mun — chen fur Heizung (Spalte 3), fur Warmwasser (Spalte 4) sowie fett gedruckt die Summe fur Heizung und Warmwasser (Spalte 5).

Spalte 1

2

CO

СЛ

6 7 8

Berechnung

Heizspiegel

Gebaudetyp — Baujahr

Wohn-

Bedarf

MGnchen 2004

flache

Endenergie

zentral beheizt, Ol

Ober-

Delta

Durch-

Heiz

WW

Sum

grenze

Sum

schnitt

[m]

[kWh/(m2a)l

[kWh/(m2a)l

EFH 49

118

260

27

287

285

i%

201

EFH 49 (A)

159

257

27

284

280

i%

197

EFH 53

111

278

27

305

286

7%

202

EFH 70

240

229

27

256

273

-6%

190

REH 64

135

272

27

299

283

6%

199

REH 75

147

222

27

249

281

-11%

198

RMH 69

97

229

27

256

289

-11%

205

MFH 52

857

242

29

271

252

8%

171

MFH 67

1850

221

29

250

240

4%

160

MFH 69 (A)

456

239

29

268

262

2%

180

MFH 74

1145

205

29

234

247

-5%

167

Zum Vergleich sind die Ergebnisse des Munchener Heizspiegels 2004 fur zentral beheizte Gebaude (Heizung & Warmwasser) mit Ol dargestellt. Das Klima in 2004 mit 271 Heiztagen entsprach etwa dem langjahrigen Mittel mit 266 Heiztagen. Eine Klimabereinigung der Werte wurde daher nicht vorgenommen. 10 % der Gebaude im Bestand Munchens verbrauchen mehr als den mit „Obergrenze“ in Spalte 6 angegebenen Wert. Diese Gebaude werden in der Studie als „Hochverbraucher“ bezeichnet. Dieser Gebaudebestand reprasentiert energetisch schlechte Gebaude — gleichzeitig aber auch die Gebaude mit dem hochsten Ein — sparpotenzial. In Spalte 7 ist die Abweichung des berechneten Endenergiebedarfs fur Heizung und Warmwasser (Spalte 5) vom gemessenen Verbrauch zentral beheizter Gebaude (Spalte 6) angegeben. Die Gebaudemodelle wurden dazu — in den oben dokumentierten Grenzen — so angepasst, dass sich fur die alteren Gebaude ein eher hoherer Bedarf und fur die neueren Gebaude ein eher niedrigerer Bedarf ergibt. Zudem weisen die kleineren Gebaude auf Grund des tendenziell schlechteren Oberflachen-Volumen-Verhaltnisses einen eher hoheren Bedarf auf.

In Spalte 8 ist der durchschnittliche Endenergieverbrauch zentral beheizter Gebaude in Munchen dargestellt. „Durchschnittsverbraucher“ aus dem Wohngebaudebestand weisen einen Energieverbrauch fur Heizung und Warmwasser von ca. 17 bis 21 Liter Heizol pro m2 Wohnflache und Jahr auf. Diese Gebaude werden in der Studie als „Durchschnitts- verbraucher“ bezeichnet. Der Endenergieverbrauch dieser Gebaude liegt ca. 8 Liter Heizol pro m2 Wohnflache und Jahr unter dem Niveau der Hochverbraucher.

Die in den Hausdatenblattern dokumentierten Gebaude reprasentieren die Hochverbraucher im Wohngebaudebestand, d. h. Gebaude, die in Zeiten sehr niedriger Energiepreise errichtet und seither energetisch nicht saniert wurden. Diese Gebaude zeichnen sich infolge des mangelnden Warmeschutzes durch ungenugende thermische Behaglichkeit und ein allgemein sehr schlechtes Wohnklima aus.

Rahmenbedingungen zur Wirtschaftlichkeitsberechnung

Die wesentlichen Okonomischen Rahmenbedingungen fur die Berechnungen wurden unter Berucksichtigung der oben genannten qualitativen Aspekte wie folgt festgelegt:

Rahmenbedingungen zur Wirtschaftlichkeitsberechnung

Kalkulationszinssatz

4 %/a

Betrachtungszeitraum

20 a

Heutiger Energiepreis

vereinfachend 5,9 Cent/kWh Heizol EL und Erdgas

Mittlere Energiepreissteigerung

3 %/a

Tabelle 5.1

Der Kalkulationszinssatz von 4 % ist unter Beachtung der oben dargestellten Aspekte damit begrundbar, als das es sich bei Investitionen in den verbesserten baulichen Warmeschutz um Investitionen mit sehr geringem Risiko handelt. Investitionen mit geringen Risiken mussen finanzmathematisch mit einem niedrigen Kalkulationszinssatz bewertet werden — im Gegen-

satz zu hoch spekulativen Investitionen mit hohem Risiko, die einen hohen Kalkulationszins- satz bedingen.

Der angenommene heutige Energiepreis entspricht etwa dem Preis fur den Bezug von 3000 Liter Heizol inkl. MWST seit November 2005 im Bundesdurchschnitt.

Mafinahmenpaket und Kosten

Den Berechnungen liegt das in der folgenden Tabelle skizzierte einheitliche MaBnahmenpaket mit entsprechenden Kosten zu Grunde. Die Kosten orientieren sich an den Angaben des Energiespar-Merkblatts 52, einer Gemeinschaftsarbeit des Bayerisches Staatsministerium fur Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie und des Bayerischen Staatsministerium des Innern (Oberste Baubehorde). Davon abweichende Annahmen wurden begrundet. In — vestive Forderung (wie Investitionszuschusse oder KfW-Darlehen) wurde in den Berechnun — gen nicht berucksichtigt.

MaBnahmen und Kosten energiesparender ModernisierungsmaBnahmen im Bestand (netto)

MaBnahme

Vollkosten

davon: Kosten fur eine ohnehin erforderliche Instandsetzung

Zusatzliche Kosten fur die energiesparende MaBnahme

Thermische Hulle

[€/m2Bauteil]

AuBenwand: 16 cm Warmedammverbundsystem (035)

110.-

60.-

50.-

Holzfenster, 2-Scheiben-Warmeschutzverglasung

350.-

300.-

50.-

Oberste Geschossdecke: 20 cm Dammung (035)

35.-

Keine

35.-

Steildach: 20 cm Dammung (035)

50.-

25.-

25.-

Flachdach, 20 cm Dammung (035)

100.-

50.-

50.-

Keller, 6 cm Dammung (035)

20.-

Keine

20.-

Heizung

[€]

Einfamilienhaus / Reihenhaus: Niedertemperatur

8000.-

8000.-

Keine

Mehrfamilienhaus: Niedertemperatur

12000.-

12000.-

Einfamilienhaus / Reihenhaus: Brennwert

9500.-

8000.-

1500.-

Mehrfamilienhaus: Brennwert

13500.-

12000.-

1500.-

Solaranlage

€] bzw. [€/Wohneinheit]

Einfamilienhaus / Reihenhaus:

4400.-

Keine

4400.-

Mehrfamilienhaus:

1200.- pro WE

Keine

1200.- pro WE

Berechnete Warmeverluste durch die thermische Hulle

In den Abbildungen 3.1 und 3.2 sind die berechneten Warmeverluste uber einzelne Bauteile der thermischen Hulle und durch Luftung fur die einzelnen Gebaude sowie als Mittelwert fur die EFH/RH und die MFH im unsanierten Zustand und im sanierten Zustand dargestellt.

Abbildung 3.1: Im unsanierten Zustand summieren sich die Warmeverluste durch Transmis­sion und Luftung auf 220 bis uber 280 kWh pro m2 Wohnflache und Jahr. Im Mittel ergeben sich 247 kWh pro m2 Wohnflache und Jahr fur die EFH/RH bzw. 261 kWh pro m2 Wohnfla­che und Jahr fur die MFH. Die AuBenwande tragen bei beiden Gebaudetypen mit 35 % zu den gesamten Verlusten bei. Bei den EFH/RH geht 21 %o der Energie durch das Dach, verlo — ren’, bei den MFH 16 %. Die Luftungswarmeverluste betragen im unsanierten Zustand etwa 15 % bei den EFH/RH bzw. 20 % bei den MFH.

Abbildung 3.2: Im sanierten Zustand (mit den MaBnahmen nach Tabelle 4.1) summieren sich die Warmeverluste durch Transmission und Luftung auf 80 bis ca. 105 kWh pro m2 Wohnfla­che und Jahr. Im Mittel ergeben sich 92 kWh pro m2 Wohnflache und Jahr fur die EFH/RH bzw. 97 kWh pro m2 Wohnflache und Jahr fur die MFH. Die gut gedammten AuBenwande tragen bei beiden Gebaudetypen mit etwa 15 % zu den gesamten Verlusten bei. Bei den Gebauden geht im sanierten Zustand etwa 7 bis 10 % der Energie jeweils durch das Dach, die Kellerdecke und Warmebrucken ,verloren’. Die Fenster sind in den gut gedammten Gebauden eine thermische Schwachstelle: Sie bedingen im Mittel etwa 22 % der gesamten Warmever­luste bei den EFH/RH bzw. 25 % bei den MFH. Einen noch deutlich groBeren Anteil an den Warmeverlusten hat die Luftung: Die Luftungswarmeverluste betragen im Mittel bei den EFH/RH 34 % bzw. 38 % bei den MFH.

image043 image044

Parameterstudie

Der Einfluss verschiedener Parameter auf die Ergebnisse der Energiebilanz und der okonomi- schen Bewertung wird im Rahmen einer Parameterstudie abgeschatzt. Dazu wurden die Parameter

• Energiekosten vor Sanierung,

• heutiger Energiepreis,

• mittlere Energiepreissteigerung,

• Kalkulationszinssatz sowie

• Betrachtungszeitraum

gegenuber den Festlegungen nach Kapitel 3 und 4 variiert. Basis der Berechnungen sind die in Kapitel 2 dargestellten Gebaude.

Kriterium zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit sind in allen Varianten die Kosten der eingesparten kWh Endenergie. Da sich systematisch Unterschiede zwischen den Ergebnissen fur EFH/RH bzw. MFH ergeben, sind in den folgenden Abbildungen neben den Ergebnissen fur die einzelnen Gebaude auch die arithmetischen Mittel der Ergebnisse fur die EFH/RH bzw. MFH dargestellt. Die Abbildungen enthalten jeweils auch die wesentlichen Randbedingungen der Berechnungen.

Wirtschaftlichkeit

Die Vorteilhaftigkeit der MaBnahmen wurde auf Basis der Annuitatenmethode an Hand der „Kosten der eingesparten kWh Endenergie“ beurteilt. Die wesentlichen okonomischen Rah — menbedingungen fur die Berechnungen wurden wie folgt festgelegt:

Kalkulationszinssatz (nominal)

4 %/a

Betrachtungsz e itraum

20 a

Berechnungsgrundlage Energiepreis

5,90 Cent/kWh

mittlere Energiepreissteigerung

3 %/a

Der angenommene Energiepreis entspricht etwa dem Niveau fur den Bezug von 3000 Liter Heizol inkl. MWST seit November 2005 im Bundesdurchschnitt.

Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur „Hochverbraucher“

In der unten stehenden Abbildung sind die Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das MaBnahmenpaket dargestellt. Der Endenergiebedarf der Gebaude liegt im unsanierten Zu — stand (bei den sog. „Hochverbrauchern“) im Mittel bei umgerechnet etwa 28 Liter Ol/m2 Wohnflache und Jahr bei den Einfamilienhausern/Reihenhausern (EFH/RH) bzw. 26 Liter Ol/m2 Wohnflache und Jahr bei den Mehrfamilienhausern (MFH).

Kostenersparnis im Jahr der MaRnahme: EFH: 0,86 €/(m2 Mon) MFH: 0,82 €/(m2 Mon)

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10 % der Gebaude im Wohngebaudebestand Munchens verbrauchen mehr als den hier ange — gebenen Wert. Diese energetisch weitgehend unsanierten Gebaude werden in der Studie als „Hochverbraucher“ bezeichnet. Sie reprasentieren nicht den Verbrauch durchschnittlicher Gebaude im Bestand. Die Energiekosten betragen bei einem Energiepreis von 5,90 Cent/kWh im Mittel uber den Betrachtungszeitraum bei den EFH/RH etwa 1,4 €/m2 Wohnflache und Monat und bei den MFH etwa 1,3 €/m2 Wohnflache und Monat.

Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das MaBnahmenpaket inkl. Solaranlage und energetisch schlechte Gebaude im Bestand (sog. „Hochverbraucher“)

Wird das komplette MaBnahmenpaket inkl. Solaranlage umgesetzt, ergeben sich durchschnitt — liche Kosten fur die eingesparte kWh Endenergie von 6,11 Cent/kWh fur die EFH/RH bzw.

4,39 Cent/kWh fur die MFH. Die durchschnittlichen Kosten fur den Bezug von Endenergie betragen uber den Betrachtungszeitraum 7,9 Cent/kWh, ausgehend von einem heutigen Energiepreis von 5,9 Cent/kWh und bei 3 % Energiepreissteigerung. Die Investitionen in die Energieeinsparung sind somit vorteilhaft gegenuber dem Bezug von Endenergie. Bei der Mehrzahl dieser energetisch schlechten Gebaude (Hochverbraucher) rechnen sich die Investitionen sogar schon bei dem heutigen Energiepreis von 5,9 Cent/kWh.

MaBnahmenpaket und Kosten

Auf Basis der validierten Gebaudemodelle wurde ein einheitliches MaBnahmenpaket fur die energetische Modernisierung der Gebaude entwickelt. Kriterien waren:

• moglichst hohe Endenergieeinsparung mit einem

• okonomisch vorteilhaften MaBnahmenpaket

• ohne besondere bau — oder anlagentechnische Anforderungen.

Den Berechnungen liegt das in Tabelle 4.1 skizzierte einheitliche MaBnahmenpaket mit entsprechenden Kosten zu Grunde. Die fett gedruckten Kosten wurden in dieser Studie als Berechnungsbasis festgelegt. Ein systematischer Abgleich mit den Kostenansatzen der IfE — Studie [IFE; 2005] erfolgte nicht.

Die Kosten orientieren sich an den Angaben des Energiespar-Merkblatts 52, einer Gemein- schaftsarbeit des Bayerisches Staatsministerium fur Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie und des Bayerischen Staatsministerium des Innern [Oberste Baubehorde; 2004]. Diese Angaben sind in Tabelle 4.1 als kursive Werte mit aufgenommen. Die Kostenaufstel — lung war bei Dr. Helmut Veltl (Verbraucherberatung) in Auftrag gegeben. Von diesen Werten abweichende Annahmen sind in diesem Kapitel begrundet. Investive Forderung (wie Investi- tionszuschusse oder KfW-Darlehen) wurde in den Berechnungen nicht berucksichtigt.

Anmerkung

Im Rahmen des Projektes „Niedrigenergiehaus im Bestand“ der Deutschen Energieagentur (dena) wurde eine wissenschaftliche Begleitforschung beauftragt. Unter anderem sollen auf Basis von Kostenfeststellungen zu insgesamt ca. 35 abgeschlossenen Sanierungsprojekten Kosten, Kostenstrukturen und energiebedingte Mehrkosten energiesparender MaBnahmen bestimmt werden. Dabei sollen insbesondere auch die Kosten und Erfahrungen aus den geforderten Holz-Pellet — und Solaranlagen untersucht werden. Die fur den Winter 2005/2006 anstehenden Auswertungen konnen eine sehr gute Basis fur die Wirtschaftlichkeitsberech — nungen dieser Studie sowie die Hausdatenblatter darstellen. Wir regen daher an, die Kosten — annahmen dieser Studie mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitforschung zum dena-Projekt abzugleichen und die Berechnungen gegebenenfalls zu modifizieren.

Kosten energiesparender Modernisierungsmafinahmen im Bestand (netto)

Fett gedruckt: Rechenwerte in der vorliegenden Studie / Kursiv gedruckt: Hinweise zum Energiesparen, Merkblatt 52, Gemeinschaftsarbeit des Bayer. Wirtschafts — und des Innenministeriums (Oberste Baubehorde Bayern)

Mabnahme

Vollkosten (netto)

davon: Kosten fur eine ohnehin

zusatzliche Kosten fur die

erforderliche Instandsetzung

energiesparende

Mabnahme

[€/m2Bauteil]

[€/m2Bauteil]

[€/m2Bauteil]

Aubenwand

16 cm WDVS (WLG 035), Dammplatten auf Altputz,

110.-

60.- fur Gerust und Sanierung

50.-

gewebearmierter Neuputz, Nebenarbeiten

130.-

Altputz

Fenster

Abbruch der alten Fenster, neue Rollos, neue Fenster

350.-

300.- Abbruch und Einbau,

50.- vorgesetzte neue

mit 2-Scheiben-Warmeschutzverglasung in konventio-

Nebenarbeiten, anteilig Kosten fur

Rollokasten, anteilig

nellem Rahmen, Nebenarbeiten

500.-

neue Fenster

Kosten fur neue Fenster

Abbruch der alten Fenster, neue Rollos, neue

480.-

300.- Abbruch und Einbau,

180.- vorgesetzte neue

passivhaustaugliche Fenster mit 3-Scheiben-

Nebenarbeiten, anteilig Kosten fur

Rollokasten, anteilig

Warmeschutzverglasung, Nebenarbeiten

neue Fenster

Kosten fur neue Fenster

Dach

20 cm Dammung der oberste Geschossdecke (WLG

35.-

keine ohnehin erforderlichen

35.-

035), begehbarer Belag, Nebenarbeiten

57.- umgerechnet

Kosten zur Instandhaltung

Steildach: 20 cm Dammung zwischen/unter Sparren

50.-

25.- Abbrucharbeiten, neues festes

25.-

(WLG 035), Holzanteil zwischen den Sparren: 15 %

47.- umgerechnet

Unterdach und Neueindeckung

Flachdach

20 cm Dammung (WLG 035), Umkehrdach,

100.-

50.- ohnehin erforderliche

50.-

Dammplatten auf alter Dachhaut, Kiesauflage,

keine Angabe

Instandsetzung der schadhaften

Nebenarbeiten

Dachhaut

Keller

Entfernen von Lattenverschlagen, Anpassen von

20.-

keine ohnehin erforderlichen

20.-

Leitungen, 6 cm Dammung (WLG 035) unterseitig

7.- umgerechnet

Kosten zur Instandhaltung

Heizung

EFH: NT-Kessel, Speicher, Regelung

8000.- gesamt

8000.- bzw. 12000.-

keine energiebedingten

8000.-

fur die Erneuerung der Heizanlage

Mehrkosten

MFH: NT-Kessel, Speicher, Regelung

12000.- gesamt

nach Abschreibung

keine energiebedingten

12000.- gesamt

Mehrkosten

EFH: BW-Kessel, Speicher, Regelung

9500.- gesamt

8000.- bzw. 12000.-

1500.- gesamt

9500.-

fur die Erneuerung der Heizanlage

MFH: BW-Kessel, Speicher, Regelung

13500.- gesamt

nach Abschreibung

1500.- gesamt

13500.-gesamt

Solaranlage

EFH: Flachkollektoren, Mehrkosten bivalenter

4400.- gesamt

keine ohnehin erforderlichen

4400.- gesamt

Speicher, Regelung, Auf-Dach-Montage

keine Angaben

Kosten zur Instandhaltung

MFH: Flachkollektoren, Mehrkosten bivalenter

1200.- pro WE

keine ohnehin erforderlichen

1200.- pro WE

Speicher, Regelung, Auf-Dach-Montage

keine Angaben

Kosten zur Instandhaltung

Tabelle 4.1

Die Rechenwerte in dieser Studie weichen bei der AuBenwanddammung, der obersten Ge- schossdecke, Kellerdecke und bei den Fenstern von den Angaben des Merkblatts 52 bzw. aktuellen Auswertungen des IWU ab. Daher sind in den folgenden Tabellen beispielhaft die Ergebnisse aktueller Auswertungen fur die Kosten und Kostenstrukturen einer AuBenwand — dammung, fur die Erneuerung von Fenstern und die begehbare Dammung der obersten Geschossdecke im Detail dargestellt.