Category Archives: Gebaudetypologie Bayern

Wirtschaftliche Nutzungsdauer — Betrachtungszeitraum

In der Studie wird mit einer wirtschaftlichen Nutzungsdauer der sanierten Bauteile von pauschal 20 Jahren gerechnet. Die technische Lebensdauer der opaken Bauteile (AuBenwand, Dach, Keller) ist jedoch erheblich langer. Die Lebensdauer der Fenster mit 20 Jahren ist realistisch. Die Heizungs — und die solarthermische Anlage haben in der Regel eine kurzere technische Lebensdauer von ca. 15 Jahren. Die energiebedingten Mehrkosten nach Ablauf der technischen Lebensdauer der Heizungsanlage sind jedoch mit ca. 1500 € (Brennwert gegen- uber Niedertemperaturkessel) eher gering, da die Anlage per Definition ohnehin erneuert werden muss (Kopplungsprinzip). Fur die Solaranlage musste nach Ablauf der technischen Lebensdauer von 15 Jahren eine Neuinvestition als Zwischenfinanzierung getatigt und nach

Ablauf des Betrachtungszeitraums von 20 Jahren ein Restwert der Solaranlage berucksichtigt werden.

In der Studie wird vereinfachend ohne Zwischenfinanzierungen und Restwerte bei einer wirtschaftlichen Nutzungsdauer von 20 Jahren gerechnet. Dieser Ansatz ist gerechtfertigt, da alle opaken Bauteile zum Teil eine deutlich groBere technische Lebensdauer aufweisen und die Heizungsanlage zu geringen energiebedingten Mehrkosten nach Ablauf der technischen Lebensdauer ersetzt werden kann. Lediglich die Solaranlage wurde vor Ablauf des Betrach­tungszeitraums von 20 Jahren eine hohere Zwischenfinanzierung erfordern.

In Abbildung 7.5 sind auf der Primarachse die Kosten fur die eingesparte kWh Endenergie fur das komplette MaBnahmenpaket nach Tabelle 4.1 aufgetragen. Parameter ist der Betrach — tungszeitraum. Unterschieden wird dabei wieder zwischen EFH/RH und MFH. Wird der Betrachtungszeitraum gegenuber dem Standardwert in der Studie (20 Jahre) auf 25 Jahre bzw. 30 Jahre erhoht, sinken die Kosten der eingesparte kWh Endenergie fur das gesamte MaB­nahmenpaket inkl. Heizung und Solaranlage bei den EFH/RH von durchschnittlich 6,11 Cent/kWh auf 5,32 Cent/kWh (-13 %) bzw. 4,80 Cent/kWh (-21 %) und bei den MFH von durchschnittlich 4,40 Cent/kWh auf 3,83 Cent/kWh (-13 %) bzw. 3,46 Cent/kWh (-21 %). Noch deutlicher wirkt sich die Verkurzung des Betrachtungszeitraums aus: Bei nur 15 Jahren Betrachtungszeitraum steigen die Kosten fur die eingesparte kWh Endenergie bei den EFH/RH auf 7,47 Cent/kWh (+23 %) und bei den MFH auf 5,38 Cent/kWh (+23 %).

Kosten der eingesparten kWh Endenergie (Variante: Alle Maftnahmen inkl. Heizung und Solaranlage) mittlerer Preis fur den Bezug von Endenergie

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Abbildung 7.5 — Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das MaBnahmepaket nach Tabelle 4.1 inkl. Solaranlage fur energetisch schlechte Gebaude im Bestand (sog. „Hochverbraucher“) bei unterschiedlichen Betrachtungszeitrau — men

Mit dem veranderten Betrachtungszeitraum andert sich auch der Wert des Vergleichskriteri — ums: der mittlere Preis fur die eingekaufte kWh Endenergie, aufgetragen auf der Sekundar — achse. Bei einem heutigen Energiepreis von 5,9 Cent/kWh liegt der mittlere Preis fur die eingekaufte kWh Endenergie bei 3 % / 4 % / 5 % Energiepreissteigerung und 25 Jahren Betrachtungszeitraum bei 8,35 Cent/kWh (+6 %) / 9,44 Cent/kWh (+9 %) / 10,72 Cent/kWh (+11 %) bzw. bei 30 Jahren Betrachtungszeitraum bei 8,84 Cent/kWh (+13 %) / 10,24 Cent/kWh (+18 %) / 11,92 Cent/kWh (+24 %) und damit deutlich uber den angenommen Werten in der Studie.

Den Schnittpunkt der Kurven in Abbildung 7.5 aus den „Kosten fur die eingesparte kWh Endenergie“ (Primarachse) und dem „mittleren Preis fur den Bezug von Endenergie“ (Sekun — darachse) uber der Zeitachse kann als „dynamische Amortisation“ interpretiert werden. Dies bedeutet z. B. fur die energetisch schlechten EFH/RH aus dem Gebaudebestand (Hoch — verbraucher): Bereits nach ca. 15 Jahren haben sich energiebedingten Mehrkosten von im Mittel 144 €/m2 Wohnflache (siehe Abbildung 7.3) durch die eingesparten Energiekosten von (im Jahr der MaBnahme) 0,86 €/m2 Wohnflache und Monat (siehe Abbildung 7.3) amortisiert.

Подпись: Kosten der eingesparten kWh Endenergie

Abbildung 7.6 zeigt die Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das gesamte MaBnah — menpaket inkl. Heizung und Solaranlage fur die einzelnen Gebaude sowie die Mittelwerte fur die EFH/RH und die MFH bei einem Betrachtungszeitraum von 25 Jahren. Es zeigt sich, dass die MaBnahmen im Vergleich zur Standardannahme von 20 Jahren deutlich vorteilhafter werden. Die Kosten der eingesparten kWh Endenergie sinken im Mittelwert bei den EFH auf 5,32 Cent/kWh und bei den MFH auf 3,82 Cent/kWh. Durch den langeren Betrachtungszeit­raum steigt gleichzeitig der mittlere Preis fur den Bezug von Endenergie bei nur 3 % Energie­preissteigerung auf 8,35 Cent/kWh. Das MaBnahmenpaket nach Tabelle 4.1 inkl. Solaranlage erscheint damit — bereits bei heutigen Energiepreisen und ohne Forderung — sehr vorteilhaft.

Abbildung 7.6 — Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das MaBnahmenpaket nach Tabelle 4.1 inkl. Solaran­lage fur energetisch schlechte Gebaude im Bestand (sog. „Hochverbraucher“) bei 25 Jahren Betrachtungszeitraum

Dokumentation der Berechnungsgrundlagen

Der Bericht enthalt im Anhang die ausfuhrlichen Berechnungsgrundlagen und Energiebilan- zen der einzelnen Gebaude als Grundlage fur anschlieBende bzw. weitergehende Arbeiten.

iwu

 

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Vorhandene Konstruktion/Heiztechnik

Haustyp Einfamilienhaus

Baualtersklasse 1949 bis 1968 Wohnflache 118 m2 Endenergiebedarf

Heizung & Warmwasser 287 kWh/(m2a)

Bedeutung in Bayern

Anteil Wohngebaude im

Bestand 16,2%

Bauteilskizze

 

Beschreibung

 

Auden

 

Подпись: wand24 cm Oder 30 cm Hohlblockmauerwerk aus Bimsbeton, Huttenbimsbeton Oder Schlackenbeton, beidseitg verputzt

24 / 30 cm Vollziegel, beidseitig verputzt

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15 cm Stahlbetondecke rnit schwimm Estrich auf 1 bis 3 cm Dammung

Dach-

 

Подпись: schrage

image008 image009 Подпись: Einfachverglasung in Holzrahmen

Ziegel auf Sparschalung, 2,5 bis 5 cm minaralisierte Holzwolle-Leichtbauplatten, unterseitig verputzt [1]

Standard Olkessel

Подпись: WarmwasserbereitungWarmwasserbereitung uber den Heizkessel mit beigestelltem Speicher

image012

Verbesserter Warmeschutz/Heiztechnik

 

image013

Sparpotential der Einzelma&mahmen

 

00

 

Aulienwand Dach/OG Kellerdecke Fenster Solaranlage Heizung

 

Dammkonstruktion

 

Beschreibung

 

U-Wert

 

Vollkosten

 

energie-

bedingte

Mehr-

kosten

 

Kosten der

 

gesparten

kWh

 

[Cent/kWh]

 

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16 cm Warmedammverbundsystem auf Altputz, gewebearmierter Neuputz

 

ШЖ//А

 

image015

6 cm Dammung, unterseitig, geklebt Oder gedubelt

 

0.37

 

Oder bei Erneuerung des Bodenbelages oberseitig

 

image016

20 cm Aufsparrendammung bei Erneuerung der Dacheindeckung

 

0,15

 

20 cm Dammung zwischen/unter den Sparren bei Dachausbau

 

Fenster

 

rieue Holzfenster mit 2-Scheiben- Warmeschutzglasung

 

Voll­

kosten

 

Mehr-

kosten

 

Modermsierung der Heizungstechnik und der Warmwasserbereitung

 

Heizsystem

 

Einbau eines neuen Ol-Niedertemperaturkessels

 

Warmwasserbereitung

 

Installation einerthermischen Solaranlage

 

Deckungsgrad ca. 50%

 

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Kosten und Kostenstruktur — Kellerdecke

Bei der Kellerdecke konnen vier Kostengruppen definiert werden. Tabelle 4.4 zeigt die Kosten und Kostenanteile. Die Kostengruppe „Vorarbeiten“ umfasst das Entfernen von Lattenverschlagen oder das Aufraumen des Kellers. Als zweite Position ist das Anbringen und Verdubeln der Dammplatten definiert, als dritte Kostengruppe die Anpassung der Keller — deckendammung an vorhandene Leitungen etc…

nachtragliche unterseitige Dammung einer Kellerdecke (6 cm Dammung, WLG 035)

Kosten [€/m2BauteilflSche]

Vorarbeiten und sonstiges

3.-

Arbeitskosten fur die Verarbeitung Dammplatten und Verdubelung

10.-

Material Dammplatten und Verdubelung fur 6 cm Dammung

6.-

Verkofferung und Anpassungsarbeiten

1.-

Summe

20.-

Tabelle 4.4 — Kosten bei der nachtraglichen unterseitigen Dammung einer Kellerdecke inkl. Mwst.

Kalkulationszinssatz

Der Kalkulationszinssatz spiegelt die Verzinsung einer bezuglich Risiko und Anlagebetrag vergleichbaren Investitionsalternative wider. Dies kann immer nur naherungsweise gesche — hen. Deshalb besteht einer gewisser Spielraum bei der Wahl eine angemessenen Kalkulati — onszinssatzes.

Abbildung 7.7 zeigt den Einfluss des Kalkulationszinssatzes auf die Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das komplette MaBnahmenpaket inkl. Heizung und Solaranlage bei einem Betrachtungszeitraum von 20 Jahren. In der Studie wird aus den in Kapitel 5.3 genann — ten Grunden als Standardwert mit einen Zinssatz von 4 % gerechnet. Auf Grund des geringen Risikos der energiesparenden Investitionen kann durchaus auch ein kleinerer Kalkulations — zinssatz gerechtfertigt werden.

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Wird der Kalkulationszinssatz auf 3,0 % bzw. 2,0 % gesenkt, sinken die Kosten der einge­sparten kWh Endenergie bei den EFH/RH von bei 6,11 Cent/kWh auf 5,58 Cent/kWh (-9 %) bzw. 5,08 Cent/kWh (-17 %) und bei den MFH von 4,40 Cent/kWh auf 4,02 Cent/kWh (-9 %) bzw. 3,66 Cent/kWh (-19 %). Wird das Risiko der Investition hoher eingeschatzt und dem entsprechend mit einem hoheren Kalkulationszinssatz von 5,0 % bzw. 6,0 % gerechnet, ergeben sich Kosten fur die eingesparte kWh Endenergie bei den EFH/RH von 6,66 Cent/kWh (+9 %) bzw. 7,24 Cent/kWh (+19 %) und bei den MFH von 4,80 Cent/kWh (+9 %) bzw. 5,22 Cent/kWh (+19 %).

Abbildung 7.7 zeigt, dass selbst bei einem hohem Kalkulationszinssatz von 6 % die energie — sparenden MaBnahmen fur Hochverbraucher bei einer moderaten Energiepreissteigerung von nur 3 %/a im Bestand rentabel sind.

In Abbildung 7.8 sind die Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das gesamte MaB — nahmenpaket inkl. Heizung und Solaranlage fur die einzelnen Gebaude sowie die Mittelwerte fur die EFH/RH und die MFH mit einem Kalkulationszinssatz von 5 % abgebildet. Es zeigt sich, dass die MaBnahmen auch mit dem hohen Kalkulationszinssatz von 5 % bei einem heutigen Energiepreis von 5,90 Cent/kWh fur die MFH bereits bei heutigen Energiepreisen vorteilhaft sind. Bei einer Energiepreissteigerung von weniger als 3 %/a erscheinen die MaBnahmen auch fur die EFH/RH vorteilhaft.

Einleitung

IfE — Potenzialstudie Bayern

Die Bayerische Staatsregierung und der BN Bayern lassen partnerschaftlich als gemeinsamen ersten Schritt zur Einleitung entsprechender MaBnahmen die durch Warmedammung des Altbaubestandes erschlieBbaren Energie — und CO2-Einsparpotenziale in Bayern und die damit verbundenen Kosten untersuchen. Das IfE wurde zu einer entsprechenden Potenzialstudie beauftragt.

IWU-Mafinahmenpakete zur energetischen Gebaudesanierung, Hausdatenblatter

Als Erganzung zu diesem Auftrag wurden durch das IWU okonomisch vorteilhafte MaBnah- menpakete (baulicher Warmeschutz & Heizungsmodernisierung & Solaranlage) mit hohem Energie — und CO2-Einsparpotenzial fur einzelne Baualtersklassen und Gebaudetypen entwi — ckelt. Die Ergebnisse wurden fur die zielgruppenorientierte Ansprache von Haus — und Woh — nungsbesitzern in Hausdatenblattern zusammengefasst.

Kosten und Kostenstruktur — Fenster

Tabelle 4.5 zeigt Kosten fur den Austausch alter Fenster durch neue Holzfenster mit 2- Scheiben-Warmeschutzverglasung. Tabelle 4.6 zeigt die Kosten fur die Sanierung mit passiv — haustauglichen Fenstern mit 3-Scheiben-Warmeschutzverglasung. Der Vergleich zeigt die Mehrkosten fur die passivhaustauglichen Fenster von ca. 140 €/m2 Bauteil (netto).

Kostengruppen fur konventionelle Fenster mit 2-Scheiben-Warmeschutzverglasung

Kosten [€/m2Bauteil]

(Uw = 1,35 W/(m2K))

Abbruch

22.-

Rollos

71.-

Innere Leibung

40.-

Rahmen und Verglasung

200.-

Summe

333.-

Tabelle 4.5 — Kosten einer Modernisierung mit neuen Holzfenstern und 2-Scheiben-Warmeschutzverglasung inkl. Mwst.

Kostengruppen fur passivhaustaugliche Fenster mit 3-Scheiben-Warmeschutzverglasung

Kosten [€/m2Bauteil]

(Uw = 0,85 W/(m2K))

Abbruch

22.-

Rollos

71.-

Innere Leibung

40.-

Rahmen und Verglasung

345.-

Summe

478.-

Tabelle 4.6 — Kosten einer Modernisierung mit passivhaustauglichen Fenstern und 3-Scheiben-Warmeschutzverglasung inkl. Mwst.

Energiekosten im unsanierten Zustand — Der U-Wert vor Sanierung

Die Energiekosten im unsanierten Zustand werden neben den individuellen Nutzungsbedin — gungen erheblich uber die energetische Qualitat der Bauteile in der thermischen Hulle sowie die Heizanlage vor der Sanierung bestimmt. Um die Korrelation zwischen dem Warmeverlust eines Bauteils im unsanierten Zustand und der Vorteilhaftigkeit einer nachtraglichen Warme — dammung aufzuzeigen, wurden — ausgehend vom ursprunglich ungedammten Zustand — teilsanierte Bauteile berechnet.

Variiert wurde dazu am Beispiel eines Steildaches eine moglicherweise vorhandene nachtrag — lich eingebrachte Dammung unter den Sparren der Warmeleitfahigkeit 0,035 W/(mK). Die Ergebnisse der Berechnungen sind in Abbildung 7.9 dargestellt. Der U-Wert des unsanierten Steildaches betragt 1,12 W/(m2K) ohne jede Dammung. Wird dieses Bauteil nachtraglich mit 20 cm zwischen/unter den Sparren gedammt, kostet diese MaBnahme 3,15 Cent je eingespar — ter kWh Endenergie. Der mittlere Preis fur die gekaufte kWh Endenergie betragt uber einen Betrachtungszeitraum von 20 Jahren (heutiger Energiepreis 5,90 Cent/kWh, 3 % Energie­preissteigerung) 7,86 Cent/kWh. Die MaBnahme ist demnach okonomisch vorteilhaft.

Kosten der eingesparten kWh Endenergie bei teilsanierten Bauteilen MaBnahme: 20 cm Dammung zwischen / unter den Sparren

image052

vorhandene Dammung vor Sanierung [cm]

Abbildung 7.9 — Kosten der eingesparten kWh Endenergie bei teilsanierten Gebauden

Das Ergebnis andert sich deutlich, wenn von 3 cm Dammung unter den Sparren vor der umfassenden Sanierung ausgegangen wird. Der U-Wert des Daches andert sich von 1,12 W/(m2K) im ursprunglichen Zustand auf 0,57 W/(m2K) im nachtraglich sanierten Zustand mit 3 cm Dammung. Die Transmissionswarmeverluste des Bauteils sind deutlich reduziert, die mogliche Energiekostenersparnis durch eine weitere Dammung des Bauteils ist entsprechend geringer. Das wirkt sich deutlich auf die Kosten der eingesparten kWh Endenergie aus. Wird dieses zuvor suboptimal gedammte Bauteil mit 20 cm zwischen/unter den Sparren gedammt, kostet diese MaBnahme nicht 3,15 Cent je eingesparter kWh Endenergie, sondern 6,24 Cent je eingesparter kWh Endenergie. Bei einem mittleren Preis fur die gekaufte kWh Endenergie von 7,86 Cent/kWh ist die MaBnahme dennoch weiterhin okonomisch vorteilhaft.

Das Beispiel zeigt deutlich die Problematik energetisch bereits teilsanierter Bauteile. Die ersten cm der Dammung tragen uber die damit erreichbare sehr hohe Energie — und Energiekosteneinsparung wesentlich zur Wirtschaftlichkeit der Maftnahmen bei. Ein mit wenigen cm suboptimal gedammtes Bauteil lasst sich nachtraglich haufig nicht mehr okonomisch vorteilhaft energetisch sanieren. Eine solche suboptimale energetische Sanierung bezeichnen wir als „Lost opportunity44.

Gebaudedaten und Kennwerte im unsanierten Zustand

Der Endenergiebedarf eines Gebaudes und die moglichen Einsparungen werden wesentlich durch die energetische Qualitat der thermischen Gebaudehulle, der Anlagentechnik sowie der Geometrie des Gebaudes beeinflusst. Fur einzelne Haustypen wurden als Datenbasis geomet — rische Daten erfasst, Baukonstruktionen ermittelt, Regelquerschnitte beschrieben und die Warmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) bestimmt.

Datenbasis

Die Ergebnisse der hier vorliegenden Studie basieren auf insgesamt elf Gebaudedatensatzen (4 freistehende Einfamilienhauser, 2 Reihenendhauser, 1 Reihenmittelhaus, 4 Mehrfamilien — hauser). Die Datensatze wurden freundlicherweise nach Gesprachen mit Experten von folgen — den Institutionen zur Verfugung gestellt bzw. selbst erzeugt:

• Energieagentur Mittelfranken e. V., Nurnberg

• Energieagentur Oberfranken e. V., Kulmbach

• Energieagentur Chiemgau-Inn-Salzach, Rott am Inn

• eza! Energie — & Umweltzentrum Allgau gGmbH, Kempten

• Stadt Erlangen, Umweltamt

Geometrische Daten

Konkrete Gebaudedaten werden nach dem „Kurzverfahren Energieprofil“ des IWU mit einem zwei Seiten umfassenden Fragebogen erhoben [Loga; 2005]. Dieses statistisch abgesicherte Verfahren fur die Erstellung des Energieprofils reduziert den Aufwand fur die energetische Bilanzierung und Klassifizierung erheblich. Dennoch wird ein Datensatz generiert, mit dem die Energiebilanz nach DIN V 4108-6 (Warmeschutz im Hochbau) und DIN V 4701-10 bzw. -12 (Energetische Bewertung heiz — und raumlufttechnischer Anlagen) ausreichend genau berechnet werden kann.

Die Eingangsdaten zur Flachenerhebung beschranken sich auf wenige Grunddaten, die mit den zur Verfugung gestellten Gebaudedatensatzen vorlagen. Ein aufwandiges AufmaB vor Ort wurde so vermieden. Im Anhang A ist zu jedem Gebaude das „Formular Gebaude“ des Kurzverfahrens Energieprofil enthalten. Aus diesem Datenblatt sind die wesentlichen Anga — ben zur Kubatur der untersuchten Gebaude zu entnehmen.

Kurzprofil Gebaude

In den folgenden Tabellen sind die Gebaude im Kurzprofil beschrieben. Die Tabellen enthal­ten zusatzliche Angaben aus der Auswertung der Wohngebaudestatistik Bayerns [IfE; 2005].

• dem Anteil der Wohneinheiten von allen Wohneinheiten des Gebaudetyps im Bestand (z. B. 24,5 % aller EFH im Bestand werden der Baualtersklasse 1949 — 68 zugeordnet)

Подпись: Foto: IWUimage022

image023

dem Anteil des Wohngebaudes von allen Wohngebauden des Gebaudetyps im Bestand (z. B. 16,2 % aller EFH im Bestand werden der Baualtersklasse 1949 — 68 zugeordnet)

Подпись: Foto: eza!Подпись: Kurzbezeichnung: Gebaudetyp: Baualtersklasse: Wohnflache: Подпись: Anteil Wohneinheiten Gebaudetyp: Anteil Wohngebaude im Bestand:image027

Подпись: 24,5 % 16,2 %

EFH 49 (A) Einfamilienhaus 1949 — 68 159 m2

image029

image030

Foto: Stadt Erlangen — Umweltamt

 

EFH 53

Einfamilienhaus 1949 — 68 111 m2

 

Kurzbezeichnung:

Gebaudetyp:

Baualtersklasse:

Wohnflache:

 

Anteil Wohneinheiten Gebaudetyp: 24,5 %

Anteil Wohngebaude im Bestand: 16,2 %

 

image031

Подпись: Foto: Energieagentur Oberfranken Подпись: Anteil Wohneinheiten Gebaudetyp: 18,1 % Anteil Wohngebaude im Bestand: 11,9 %

Kurzbezeichnung:

Gebaudetyp:

Baualtersklasse:

Wohnflache:

EFH 70

Einfamilienhaus 1969 — 78 240 m2

Kurzbezeichnung:

Gebaudetyp:

Baualtersklasse:

Wohnflache:

 

RH 64

Reihenendhaus 1949 — 68 135 m2

 

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Подпись: Foto: Stadt Erlangen — Umweltamtimage036image037
Подпись: Kurzbezeichnung: Gebaudetyp: Baualtersklasse: Wohnflache: RH 75

Reihenendhaus 1969 — 78 147 m2

Kurzbezeichnung:

RMH 69

Gebaudetyp:

Reihenmittelaus

Baualtersklasse:

1969 — 78

Wohnflache:

97 m2

Kurzbezeichnung:

Gebaudetyp:

Baualtersklasse:

Wohnflache:

 

MFH 52

Mehrfamilienhaus 1949 — 68 857 m2

 

image039

Foto: Stadt Erlangen — Umweltamt

 

Anteil Wohneinheiten Gebaudetyp: 33,3 %

Anteil Wohngebaude im Bestand: 4,3 %

 

Kurzbezeichnung:

Gebaudetyp:

Baualtersklasse:

Wohnflache:

 

image040

Foto: Stadt Erlangen — Umweltamt

 

MFH 67

Mehrfamilienhaus 1949 — 68 1850 m2

 

Anteil Wohneinheiten Gebaudetyp: 33,3 %

Anteil Wohngebaude im Bestand: 4,3 %

 

Kurzbezeichnung:

Gebaudetyp:

Baualtersklasse:

Wohnflache:

 

MFH 69 (A) Mehrfamilienhaus 1969 — 78 456 m2

 

image041

Foto: eza!

 

Anteil Wohneinheiten Gebaudetyp: 18,5 %

Anteil Wohngebaude im Bestand: 2,0 %

 

Kurzbezeichnung:

Gebaudetyp:

Baualtersklasse:

Wohnflache:

 

MFH 74

Mehrfamilienhaus 1969 — 78 1145 m2

 

Anteil Wohneinheiten Gebaudetyp: 18,5 %

Anteil Wohngebaude im Bestand: 2,0 %

 

Foto: Stadt Erlangen — Umweltamt

 

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Methodik und Rahmenbedingungen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit

Energietechnische GestaltungsmaBnahmen im Gebaudebereich sind mit hohen Kosten ver — bunden und zielen auf die Reduzierung zukunftig notwendiger finanzieller Aufwendungen. Bei solchen Investitionen stellt sich naturgemaB die Frage der Wirtschaftlichkeit bzw. nach Investitionsalternativen.

1.1 Allgemeine Grundlagen

Zur Entscheidungsfindung stellt die betriebswirtschaftliche Investitionstheorie eine Reihe von Verfahren zur Verfugung. Grundsatzlich lassen diese sich in statische und dynamische Ver — fahren unterteilen.

• Statische Verfahren

Bekannte statische Verfahren der Investitionstheorie sind die Gewinnvergleichs — bzw. Kostenvergleichsrechnung, die Rentabilitatsvergleichsrechnung und die statische Amortisationsrechnung. Vorteile der statischen Verfahren sind in der einfachen Handhabung und im relativ geringen Informationsbedarf zu sehen. Allerdings bieten diese Verfahren keine ausreichende Basis zur Beurteilung von Investitions — entscheidungen, weil es sich bei Energiesparinvestitionen immer um mehrperiodige Entscheidungsprobleme handelt. Bei deren Beurteilung mussen die zeitliche Struktur der Ein — und Auszahlungsreihen und entsprechende Zinseffekte berucksichtigt werden. Ein haufig angewandtes Verfahren ist das der „statischen Amortisationszeit“.

• Dynamische Verfahren

Das wesentliche Merkmal von dynamischen Verfahren ist es, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallenden Zahlungen mit Hilfe der Zinseszinsrechnung auf einen ge — meinsamen Vergleichszeitpunkt ab — oder aufzudiskontieren. Somit haben Einnahmen und Ausgaben nicht nur uber ihren Betrag, sondern auch uber den Zeitpunkt des Cash­flows einen Einfluss auf das Ergebnis. Dies ist der entscheidende Vorteil gegenuber den statischen Verfahren. Zu den dynamischen Verfahren zahlt die Kapitalwertmetho — de, die Annuitatenmethode und die interne ZinsfuBmethode.

Kosten der eingesparten kWh — Ausgangsvariante „Durchschnittsverbraucher“

In Abbildung 7.3 sind die Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur die MaBnahmen und Kosten nach Tabelle 4.1 fur Hochverbraucher (mittlerer Endenergiebedarf: 277 kWh/(m2a) fur die EFH/RH und 255 kWh/(m2a) fur MFH) im Bestand dargestellt. Diese Gebaude bilden die 10 % der Hochverbraucher im Bestand und somit energetisch weitgehend unsanierte Gebaude ab. Sie reprasentieren nicht den Verbrauch durchschnittlicher Gebaude im Bestand.

Die Wirtschaftlichkeit des MaBnahmenpaketes stellt sich deutlich anders dar, wenn von suboptimal gedammten Gebauden ausgegangen wird. Abbildung 7.10 zeigt die Ergebnisse der Berechnungen fur Gebaude, die im Mittel mit 206 kWh/(m2a) fur die EFH/RH und 170 kWh/(m2a) fur die MFH einen durchschnittlichen Energieverbrauch — gemessen am Bestand der Gebaude in Deutschland — aufweisen1. Der Bedarf dieser „Durchschnittsverbraucher“ liegt etwa 80 kWh/(m2a) unter dem der „Hochverbraucher“ und entspricht damit in etwa dem im Heizspiegel Munchen ausgewiesenen durchschnittlichen Verbrauch zentral beheizter Gebaude (vgl. Tabelle 3.3). Das hier berucksichtigte MaBnahmenpaket entspricht Tabelle 4.1 — aller — dings ohne die Solaranlage.

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Abbildung 7.10 — Kosten der eingesparten kWh Endenergie fur das MaBnahmenpaket nach Tabelle 4.1 ohne Solaranlage fur energetisch durchschnittliche Gebaude im Bestand (sog. „Durchschnittsverbraucher“)

Fur die Modellbildungen wurden die U-Werte der in Kapitel 2 vorgestellten Gebaude auf Basis der Gebaudetypologie Deutschland an die Baualtersklasse 1979 — 1983 angepasst. Ausnahmen: Die U-Werte der AuBenwande entsprechen Baualtersklasse 1984 — 1994. Durch den insgesamt besseren energetischen Standard der Gebaude wurde die Raumsolltempe — ratur wahrend der Heizzeit bei den Einfamilienhausern und Reihenendhausern auf 20 °C gesetzt.

Die Kosten der eingesparten kWh Endenergie steigen von bei den EFH/RH von 6,11 Cent/kWh (MaBnahmenpaket inkl. Solaranlage) fur die Hochverbraucher auf 8,67 Cent/kWh (MaBnahmenpaket ohne Solaranlage) fur die Durchschnittsverbraucher und bei den MFH von

4,39 Cent/kWh (MaBnahmenpaket inkl. Solaranlage) fur die Hochverbraucher auf 7,61 Cent/kWh (MaBnahmenpaket ohne Solaranlage) fur die Durchschnittsverbraucher. Die MaBnahmen stellen sich vor allem deswegen unvorteilhafter dar, weil die erzielbare Energie — kosteneinsparung — bei unveranderten Investitionskosten — gegenuber den Hochverbrauchern nahezu halbiert ist. Dennoch rechnen sich die MaBnahmen beim Mehrfamilienhaus bereits bei einer moderaten Energiepreissteigerung von 3 %/a fur die MFH und bei 4 % Energiepreis — steigerung fur die EFH/RH.