Modifikation der Standardannahmen

Die durch WarmeschutzmaBnahmen bei Altbauten erzielbare Energieeinsparung wird in der Regel mit Hilfe von stationaren Energiebilanzverfahren berechnet. Dabei machen Energiebe — rater vielfach die Erfahrung, dass die eingesetzten Berechnungsverfahren fur den Ausgangs — zustand Energiebedarfswerte liefern, die erheblich uber den gemessenen Verbrauchswerten liegen. Dies trifft insbesondere fur Einfamilienhauser mit schlechtem Warmeschutz zu. Entsprechend optimistisch erscheint die berechnete Energieeinsparung. Die moglichen Ursa — chen fur die Uberschatzung des Heizenergiebedarfs sind vielfaltig (Nachtabsenkung, Teilbe- heizung, geringerer Luftwechsel, hohere innere Warmequellen, gunstigere Klimabedingun — gen, U-Werte, …).

Im Rahmen der Energieberatung erfolgt meist eine Anpassung der berechneten Bedarfswerte an die gemessenen Verbrauchswerte durch Absenken der Raum-Solltemperatur gegenuber dem Standardwert von 20 °C, z. T. auch durch Absenkung des rechnerischen Luftwechsels. Durch den damit erzielbaren Abgleich zwischen Bedarfs — und Verbrauchswert kann der Effekt einer energiesparenden MaBnahme realistischer abgeschatzt werden. Die Erfahrung zeigt zudem, dass energetisch hochwertige Gebaude eine gegenuber energetisch schlechten Gebauden eine hohere mittlere Raumtemperatur aufweisen, in Passivhausern deutlich uber 20 °C. In der Praxis wird somit der energiesparende Effekt der warmedammenden MaBnahmen z. T. durch die hohere mittlere Raumtemperatur wieder ausgeglichen.

Um die Effekte energiesparender MaBnahmen nicht zu uberschatzen, wurden daher die Eingangsdaten der Energiebilanzberechnungen in plausiblen Grenzen so variiert, dass die Ergebnisse der Energiebilanzberechnungen mit den Ergebnissen des aktuellen Heizspiegels Munchen [Heizspiegel; 2005] korrespondieren. Folgende Anderungen gegenuber den Stan — dard-Rahmenbedingungen wurden vorgenommen:

• Raumsolltemperatur

Die Raumsolltemperatur wurde fur alle Einfamilienhauser im unsanierten Zustand vom Standardwert 20 °C auf 18 °C und bei den Reihenendhausern von 20 °C auf 19 °C re — duziert. Fur das Reihenmittelhaus wird mit 20 °C Raumsolltemperatur gerechnet. Die — ser Ansatz ist praxisgerecht [Loga; 1999]. Im sanierten Zustand wird fur alle Gebaude generell mit einer Raumsolltemperatur von 20 °C gerechnet.

• Warmebruckenverlustkoeffizient

Ein Warmebruckenverlustkoeffizient wurde fur alle Gebaude im unsanierten Zustand nicht berucksichtigt. Durch den AuBenbezug der Gebaudehullflachen ist dieser Ansatz gerechtfertigt, tatsachlich sind Warmebruckeneffekte in energetisch sehr schlechten Konstruktionen rechnerisch in erster Naherung — bei AuBenmaBen — zu vernachlassigen, sofern nur wenige auskragende (Beton-)Bauteile vorhanden sind. Im sanierten Zustand wird dagegen mit einem pauschalen Warmebruckenverlustkoeffizienten von 0,05 W/(m2Hullflachea) gerechnet.

• U-Werte

Die U-Werte wurden auf Basis der Gebaudetypologie Deutschland [IWU; 2003] ent- sprechend der Baualtersklasse und dem Gebaudetyp festgelegt. Nachtraglich durchge — fuhrte energetische Sanierungen wurden nicht berucksichtigt, die Datensatze bilden die Gebaude im Zustand der Errichtung ab. In Ausnahmen wurden einzelne U — Werte von Bauteilen im unsanierten Zustand abweichend von den Vorgaben der Ge­baudetypologie Deutschland angesetzt. Dabei wurden in der Regel niedrigere U-Werte berucksichtigt. Die Modifikationen sind in Tabelle 3.2 dokumentiert.

Modifizierte U-Werte gegenuber den Angaben der Gebaudetypologie Deutschland

Gebaude

Bauteil

Gebaudetypologie Deutschland

Rechenwert Studie

RH 64

AuBenwand

1,44 W/(m2K)

1,21 W/(m2K)

RH 75

AuBenwand

0,80 W/(m2K)

1,07 W/(m2K)

MFH 52

AuBenwand

1,44 W/(m2K)

1,21 W/(m2K)

MFH 52

Kellerdecke

1,65 W/(m2K)

0,97 W/(m2K)

MFH 67

o. Geschossdecke

2,30 W/(m2K)

1,41 W/(m2K)

Tabelle 3.2

• Transmissionswarmeverluste

Die Korrekturfaktoren zum unbeheizten Dachraum sowie zum unbeheizten Keller sind gegenuber der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 0,8 auf 1,0 (Dach) sowie von 0,6 auf 0,5 (Keller) verandert.

• Luftwechsel

Der Luftwechsel im unsanierten Zustand wurde auf 0,6 h-1 festgelegt. Nach DIN V 4108 — 6 entspricht dieser Luftwechsel der Standard-Luftwechselrate bei luftdichtheits — gepruften Gebauden (nL50 < 3,0 h-1) im Neubau. Aktuelle Forschungsprojekte zum Luftwechsel in Bestandsgebauden kommen zu ahnlichen bzw. wesentlich niedrigeren Werten. Nach Durchfuhrung der kompletten Sanierung wurde in den Berechnungen der Luftwechsel auf 0,5 h-1 reduziert. Damit wird die gegenuber dem IST-Zustand deutlich dichtere Gebaudehulle berucksichtigt.

• Innere Warmequellen

Die Leistung innerer Warmequellen ist von 5 W/m2 Gebaudenutzflache nach EnEV auf 2,5 W/m2 Wohnflache (EFH/RH) bzw. 3,2 W/m2 Wohnflache (MFH) reduziert.

• Energiebezugsflache

Die in der EnEV verwendete „Gebaudenutzflache“ ist eine kunstliche GroBe. Sie liegt zwischen 10 % und 40 % uber der bei Wohngebauden allgemein gebrauchlichen Wohnflache und spiegelt daher unrealistische spezifische Kennwerte vor. Durch die optimistischen Ansatze bei der energetischen Bilanzierung und die zu groBe „Gebau — denutzflache“ AN liegen die nach EnEV berechneten Energiekennwerte um ca. 10 bis 50 % niedriger als gemessene auf die reale Flache bezogene Verbrauchskennwerte. [Loga; 2001] Daher werden alle Berechnungsergebnisse in dieser Studie auf die Wohn­flache bezogen. Die Ergebnisse werden damit z. B. vergleichbar mit den Ergebnissen der Heizspiegel, die sich ebenfalls auf die Wohnflache beziehen.

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